Was heißt „eine insolvente Firma kaufen“ genau?
Eine Firma ist insolvent, sobald sie zahlungsunfähig (§17 InsO) oder überschuldet (§19 InsO) ist. Die Geschäftsführung muss dann ohne schuldhaftes Zögern, spätestens binnen drei Wochen, beim örtlich zuständigen Insolvenzgericht (Amtsgericht) einen Insolvenzantrag stellen. Eine verspätete Antragstellung ist strafbar (Insolvenzverschleppung, §15a InsO).
Das Gericht bestellt zunächst einen vorläufigen und nach Verfahrenseröffnung einen endgültigen Insolvenzverwalter. Ab Eröffnung geht die Verfügungsbefugnis über das Vermögen auf ihn über — er ist für Kaufinteressenten der einzige relevante Ansprechpartner. Bei der Eigenverwaltung (§270 InsO) bleibt die Geschäftsführung im Amt, wird aber von einem Sachwalter überwacht.
Wichtig für Käufer: „Firma kaufen“ heißt in der Insolvenz fast immer, die werthaltigen Vermögensgegenstände aus der Insolvenzmasse zu erwerben (Asset-Deal) — nicht den Rechtsträger mitsamt Schulden. Der insolvente Rechtsträger (die GmbH, UG, KG) bleibt bestehen und wird nach Verwertung liquidiert.
Der Ablauf: von der Bekanntmachung bis zum Closing
Phase 1 — Bekanntmachung (§9 InsO): Jede Insolvenzeröffnung wird rechtsverbindlich auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht. Das ist die Quelle, aus der jeder seriöse Deal startet. Zusätzlich erscheinen Asset-Verkäufe auf Marktplätzen wie DUB, dinsob oder Mabya.
Phase 2 — Erstkontakt (Woche 0–8): Nach der Eröffnung beginnt der Verwalter mit der Inventur der Masse und sondiert Interessenten. Genau hier liegt dein Zeitfenster. Wer erst nach Wochen anfragt, findet die attraktiven Assets oft schon reserviert.
Phase 3 — Due Diligence & Angebot (Woche 4–12): Prüfung der Assets, indikatives Angebot, Finanzierungsnachweis. Verwalter arbeiten parallel mit mehreren Bietern; Geschwindigkeit und Bonität entscheiden.
Phase 4 — Kaufvertrag & Closing (Woche 8–20): Verhandlung des Asset Purchase Agreement (APA), ggf. Zustimmung des Gläubigerausschusses, Kaufpreiszahlung, Übergang. Danach: Betriebsübernahme, Markenumschreibung, Domain-Transfer, Mitarbeiterübergang nach §613a BGB.
Die gesamte Timeline von der Bekanntmachung bis zum Closing liegt typischerweise bei 6 bis 20 Wochen — deutlich schneller als eine klassische Unternehmensnachfolge, die Monate bis über ein Jahr dauert.
Den Insolvenzverwalter richtig ansprechen
Der Verwalter ist gesetzlich verpflichtet, die Masse bestmöglich zu verwerten (§159 InsO) — er muss also mit dir sprechen, wenn dein Angebot glaubwürdig ist. Gleichzeitig triagiert er hart: Ein großer Teil der Anfragen kostet ihn nur Zeit.
Was einen Verwalter überzeugt: (1) eine klare Ansage, welche Assets du übernehmen willst (Warenbestand? Marke? Domain? Kundenstamm? den ganzen Betrieb?), (2) ein belastbarer Finanzierungsnachweis (Bankbestätigung, Eigenkapitalnachweis), (3) eine realistische Preisindikation und (4) ein handlungsfähiges Team (Anwalt, Steuerberater, ggf. Treuhandkonto).
Ein guter Erstkontakt ist kurz und konkret: „Ich bin
Übernahme-Radar hinterlegt zu jedem Fall den zuständigen Verwalter samt Kanzlei und Kontaktweg, sodass du direkt in die Ansprache gehst, statt erst das Aktenzeichen zu einer Adresse aufzulösen.
Due Diligence: worauf es wirklich ankommt
Marke & Domain sind oft die wertvollsten Assets — gerade bei D2C-Brands. Prüfe den Markenregisterstatus (DPMA/EUIPO), die Domain-Registrierung (WHOIS) und die Reputation (Trustpilot, Google-Bewertungen). Achtung: Nicht selten steht die Domain privat auf den Gründer oder die Marke auf einer anderen Konzerngesellschaft.
Kundendaten sind DSGVO-rechtlich heikel: übertragbar nur bei tragfähiger Rechtsgrundlage oder im Rahmen eines echten Betriebsübergangs. Hier liegt der häufigste juristische Stolperstein.
Verträge: Welche laufen weiter, welche enden mit der Insolvenz? Besonders kritisch sind Lieferanten-, Miet- und SaaS-Verträge mit „Change-of-Control“-Klauseln.
Mitarbeiter: §613a BGB überträgt Arbeitsverhältnisse automatisch, wenn du den Betrieb übernimmst. Ob du das willst, ist eine strategische Entscheidung — verhandle sie bewusst.
Bestand & Logistik: Wo lagert die Ware, zu welchen Konditionen, und übernimmst du die Logistikverträge mit? Ein Wareninventar mit realistischer Bewertung gehört in jedes Angebot.
Risiken und typische Fallen
Phantom-Assets: Die Marke gehört einer Schwestergesellschaft, die Domain dem Gründer privat, die Kundenliste ist nicht übertragbar. Prüfe die Eigentumslage, bevor du ein Angebot abgibst — nicht danach.
Zeitdruck: Verwalter haben harte Fristen. Wer sechs Wochen für die Due Diligence braucht, verliert den Deal. Stelle dein Team vorab auf.
Anfechtungsrisiko: Zahlungen kurz vor der Insolvenz können angefochten werden (Insolvenzanfechtung, §§129 ff. InsO). Beim Asset-Kauf aus der laufenden Insolvenz ist das Risiko gering, bei vorinsolvenzlichen Käufen real.
Umsatzsteuer: Asset-Deals lösen häufig Umsatzsteuer aus — außer bei einer Geschäftsveräußerung im Ganzen (§1 Abs. 1a UStG). Falsch strukturiert kann das den Kaufpreis um 19 % verteuern. Lass das vom Steuerberater rechnen.
Betriebsfortführung: Ein stillgelegter Betrieb verliert täglich Wert — Kunden wandern ab, Mitarbeiter kündigen. Kläre früh, ob der Betrieb bis zum Closing weiterläuft.
Wie Übernahme-Radar den Kauf beschleunigt
Das Grundproblem ist nicht der Zugang zu Insolvenzen — die stehen öffentlich auf insolvenzbekanntmachungen.de. Das Problem ist die Signalqualität: keine Filter nach Branche, Größe oder Region, keine Anreicherung, keine Bewertung, ob ein Fall überhaupt kaufbaren Substanzwert hat. Händisches Sichten kostet drei bis vier Stunden pro Tag.
Übernahme-Radar aggregiert §9-Bekanntmachungen, Handelsregister-Auszüge, Bundesanzeiger-Jahresabschlüsse und Asset-Sale-Marktplätze in einem Strom. Zu jedem Fall entsteht eine KI-Tiefenrecherche und ein Deal-Playbook — ein konkreter Aktionsplan für dein Käuferprofil, inklusive Verwalter-Kontakt und geschätztem Substanzwert.
Du hinterlegst einmal dein Profil in einem Satz („D2C-Shops €50–500k, NRW, englischsprachiger Gründer“) und bekommst täglich die gegen dein Profil bewerteten Treffer. Aus vier Stunden Sichtung werden zehn Minuten — und aus einer statischen Liste eine tagesaktuelle Pipeline.
Genau das ist der Unterschied zu statischen Ratgebern und Marktplätzen: Die Bundesland-Seiten unten zeigen tagesaktuelle kaufbare Fälle je Region — eine Live-Sicht, die kein statischer Wettbewerber liefern kann.
Insolvente Firmen kaufen nach Bundesland
Wähle dein Bundesland und sieh die tagesaktuell erfassten kaufbaren Insolvenzfälle, häufigsten Branchen und zuständigen Amtsgerichte — direkt verlinkt auf konkrete Unternehmen.
- Baden-Württemberg270 erfasste Fälle
- Bayern287 erfasste Fälle
- Berlin198 erfasste Fälle
- Brandenburg58 erfasste Fälle
- Bremen23 erfasste Fälle
- Hamburg121 erfasste Fälle
- Hessen275 erfasste Fälle
- Mecklenburg-Vorpommern36 erfasste Fälle
- Niedersachsen226 erfasste Fälle
- Nordrhein-Westfalen627 erfasste Fälle
- Rheinland-Pfalz130 erfasste Fälle
- Saarland22 erfasste Fälle
- Sachsen91 erfasste Fälle
- Sachsen-Anhalt41 erfasste Fälle
- Schleswig-Holstein88 erfasste Fälle
- Thüringen42 erfasste Fälle
Deine erste Übernahme finden
Profil in einem Satz hinterlegen, täglich passende Insolvenzfälle erhalten. Kostenlos starten, keine Kreditkarte.
Häufige Fragen zum Kauf einer insolventen Firma
Kann ich als Privatperson eine insolvente Firma kaufen?
Ja. Es gibt keine rechtliche Hürde für natürliche Personen. In der Praxis gründen die meisten Käufer eine neue GmbH oder UG für den Erwerb — wegen Haftungsschutz und steuerlicher Strukturierung.
Was kostet es, eine insolvente Firma zu kaufen?
Es gibt keinen festen Marktpreis. Asset-Deals reichen vom symbolischen 1 Euro für kleine Webshops ohne Bestand bis zu mehreren Millionen für Industriebetriebe mit Belegschaft. Für Online-Shops ist 0,3–0,8× des Jahresumsatzes ein üblicher Rahmen, bei starker Marke auch mehr. Der erste vom Verwalter genannte Preis ist selten der Schlusspreis.
Übernehme ich beim Kauf die Schulden der insolventen Firma?
Beim Asset-Deal nein — die Altschulden bleiben in der Insolvenzmasse, du kaufst nur die Vermögensgegenstände. Nur beim (seltenen) Share-Deal würdest du den Rechtsträger inklusive Verbindlichkeiten übernehmen.
Wie spreche ich den Insolvenzverwalter an?
Kurz und konkret: Nenne die Firma und das Aktenzeichen, sage klar welche Assets du willst, lege einen Finanzierungsnachweis und eine realistische Preisindikation vor und schlage einen Termin vor. Der Verwalter ist gesetzlich verpflichtet, mit glaubwürdigen Interessenten zu sprechen.
Wie schnell muss ich handeln?
Schnell. Das entscheidende Fenster liegt oft in den ersten 8 Wochen nach Verfahrenseröffnung. Wer erst spät anfragt, findet die attraktiven Assets häufig schon reserviert. Ein vorbereitetes Team (Anwalt, Steuerberater, Finanzierung) ist der wichtigste Wettbewerbsvorteil.
Brauche ich einen Anwalt?
Spätestens für das Asset Purchase Agreement ja. Wähle einen Anwalt mit nachweislicher Insolvenz- und M&A-Erfahrung — Generalisten sind hier zu langsam. Typische Kosten liegen bei 5.000–15.000 Euro für mittelgroße Deals.
Weiterführende Leitfäden